Schottland

Eigentlich sollte es nur ein Wochenende in Edinburgh werden, aber je länger ich meinen Reiseführer studierte, desto klarer wurde: Wir brauchen mehr von Schottland. So wurde daraus eine Woche mit fantastischen Landschaften, Burgen, Whisky, dunkeln Seen, Schauplätzen aus Filmen, Teatime und ……..

Ein kurzer Flug von Köln nach Edinburgh, Übernahme des Mietwagens und ab in den Linksverkehr. Erster Stop ist nach 40 Minuten Stirling Castle, eine große und gut erhaltene Burganlage mit vielen Sehenswürdigkeiten und toller Aussicht. Gleich um die Ecke liegt Doune Castle, welches aus der Serie „Outlander“ bekannt ist.

Unsere Fahrt geht weiter Richtung Trossach Nationalpark, die Strassen werden schmaler, die Gegend ländlicher und überall sind die „Blackhead“ Schafe zu sehen. Die Strasse zu unserem ersten Hotel Monachly Mhor ist einspurig und führt direkt an Loch Voil und Loch Doine vorbei. Jedes entgegenkommende Auto ist eine Herausforderung, aber der Weg lohnt sich.

Monachly Mhor Hotel

Das Hotel liegt malerisch in die Landschaft eingebettet, die Zimmer sind klein und gemütlich. Zu Fuss erkunden wir die Gegend, genießen den Blick über die Berge, den See, sehen verkrüppelte mit Moos bedeckte Bäume und die Atmosphäre ist mystisch, Sagen und Geschichten könnten plötzlich wahr sein. Die blökenden Schafe und langhaarigen Highland-Rinder holen uns zurück in die Realität und wir freuen uns auf ein romantisches Essen mit vielen leckeren Gerichten – das schottische Lamm ist auch dabei 🙁

Inveraray Castle

Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir zum Inveraray Castle, bekannt aus der Serie „Downton Abbey“. Die Sonne strahlt vom Himmel, rund um die Burg blühen unzählige Narzissen und ein Spaziergang durch den Garten samt Kaffee und Kuchen aus dem empfehlenswerten Café erzeugen ein entspanntes Wohlgefühl. Auch innen hat die Burg einiges zu bieten, ein wunderschönes Speisezimmer, eine grosse Halle mit unzähligen Waffen, viele Gemälde, viel Familiengeschichte und eine Küche, in der die Vergangenheit lebendig wird – die schönste Burg auf unserer Reise.

The Grange

Unsere nächste Übernachtung ist in Fort William im „The Grange“. Ein wunderschönes Haus mit einem stilvoll eingerichteten Zimmer, ein riesiges Bett (in Schottland sind die Doppelbetten meistens nur um die 1,40 Meter breit ) dazu ein Blick auf Loch Linnhe. Das fantastische Frühstück wird im vornehmen Speisezimmer mit Kamin und edlem Geschirr serviert – daran könnte ich mich gewöhnen. Die beste Unterkunft der ganzen Reise, wir wären gerne sehr viel länger geblieben.

Genug geschwärmt – zurück zu Fort William, eine schöne kleine Stadt mit einigen Geschäften. Das Zentrum konnten wir fußläufig über einen Weg am See erreichen, inklusive Bergpanorama. Ein Abendessen im „Crannog Seafood“ Restaurant sollte nicht fehlen, sensationelle Fischgerichte – ein echtes Geschmackserlebnis, aber unbedingt vorher reservieren.

Glenfinnan Viadukt

Am nächsten Morgen machen wir uns erstmalig bei typisch schottischem Wetter auf den Weg zum Glenfinnan Viadukt. Hier ist rechtzeitiges Eintreffen angesagt, denn die Parkplätze sind begrenzt und jeder will den 11.00 Uhr Zug sehen. Das Viadukt wirkt bei diesem Wetter düster und perfekt an die Landschaft angepasst, sehr beeindruckend. Ein kleiner Fussweg führt steil aufwärts und wir werden mit einem Blick über das Viadukt belohnt. Jetzt noch ein paar Minuten und dann hören wir schon das Geräusch der Dampflok, die plötzlich aus dem Nichts auftaucht. In diesem Moment kann ich mir sehr gut vorstellen, wie Harry Potter Richtung Hogwarts unterwegs ist – ein perfekter Moment um Fantasy hautnah zu erleben.

Kalt und durchnässt brauchen wir jetzt dringend ein reales Warmgetränk, welches uns im malerisch gelegenen Glenfinnan House serviert wird – inklusive Blick auf Loch Shiel und das Glenfinnan Monument. Hier hätten wir noch Stunden sitzen und entspannt in die Natur starren können, aber Nessie – das Seeungeheuer – wartet schon auf uns.

Urquhart Castle, Loch Ness

63 Meilen später der erste Blick auf Loch Ness – dunkel und riesig erstreckt sich der See an unserer rechten Seite, Ziel ist Urquhart Castle. Die Burgruine bietet schöne Ausblicke auf den See und die umliegenden Bergen, von Nessie aber keine Spur. Unser Tagesziel ist das Kingmills Hotel in Inverness, der Stadtkern mit dem Castle und vielen Geschäften ist fussläufig erreichbar. Ein leckeres Abendessen im Café 1 rundet den Tag ab und nach dem obligatorischen Whisky fallen wir müde ins Bett.

Clava Cairn

Direkt vor den Toren Inverness liegen 2 Highlights unserer Reise, zuerst fahren wir zu den Steinkreisen von Clava Cairn. Glücklicherweise fährt ein Reisebus gerade ab und wir haben die Steine ganz für uns allein. Es ist noch nebelig, die Bäume und der Boden rund um die Steine sind vermoost und der Tau lässt alles glitzern – mystischer könnte die Stimmung nicht sein. Wir betrachten die Steine still und empfinden die totale Ruhe.

Culloden

Der nächste Stop am Culloden Battlefield wird emotionaler als erwartet. Wir stehen auf dem Schlachtfeld und eben schien noch die Sonne, aber jetzt pfeift uns ein scharfer Wind um die Ohren, gemischt mit Regenschauern. Die unebenen Wege führen über das ganze Gelände umsäumt von Heidebüschen, die Schlachtlinien sind markiert und am Rande stehen blumengeschmückte Grabsteine der Clans. Ich bekomme eine Gänsehaut bei dem Gedanken, wieviele Highlander hier bei schlechtesten Bedingungen gekämpft und nach kurzer Zeit ihr Leben verloren haben. Im Besucherzentrum gibt es eine interessante Ausstellung und die Schlacht ist in einem kleinen Film nachgestellt.

Für den Nachmittag haben wir eine Teatime im Culloden House reserviert und wie auf Bestellung strahlt die Sonne wieder vom Himmel und wir lassen die Erlebnisse bei Tee und Leckereien auf uns wirken.

Glen Ord Distillery

Wir sind jetzt schon einige Tag unterwegs und haben immer noch keine Distillery besichtigt, das soll nicht so bleiben und so entscheiden wir uns spontan für die Glen Ord Distillery. Eine richtige Entscheidung, das Gebäude versetzt uns in alte Zeiten, der Geruch von Alkohol liegt in der Luft und die Besichtigung ist sehr interessant, die Erklärungen mit dem fantastischen schottischen Akzent gut verständlich. Danach konnten wir drei verschiedene Jahrgänge probieren – für die Autofahrer zum Mitnehmen. Ich hatte vor dem Urlaub noch nie Whisky getrunken, aber im Schottland gehört es natürlich dazu und dank kleiner Flaschen wird die abendliche Whisky-Probe fast zum Ritual.

Von Inverness aus geht es weiter zum Highland Wildlife Park, welcher inmitten der wunderschönen Landschaft den Tieren ein nahezu natürliches Leben bietet. Es besteht die Möglichkeit mit dem Auto in ein großes Gehege zu fahren, wo einem Wildpferde, Büffel und Elche über den Weg laufen – auch mit Mietwagen kein Problem.

Auf dem Weg nach Pitlochry halten wir auf meinen Wunsch am „House of Bruar“ an, wo eine Riesenauswahl an Lebensmitteln, Souvenirs und Klamotten auf uns wartet. Mein Mann kann gepflegt zeitungslesend am Kamin sitzen, während ich meine Shoppinglust ausleben kann. Danach gibt es noch Suppe und fantastische Riesen-Scones im Selbstbedienungsrestaurant – selbst die Restrooms sind einen Blick wert 🙂

Knockendarroch House, Pitlochry

Von dort sind es nur noch wenige Meilen zum „Knockendarroch Hotel“, ein wunderschönes Haus mit gemütlichen Räumen in Herzen von Pitlochry. Wir erkunden noch die Stadt und die Blair Atholl Distillery, bevor wir zum Abendessen bereit sind. Dieses beginnt mit einem Aperitif im Kaminzimmer und dazu werden „Haggis-Bonbons“ gereicht, die wir nach anfänglichem Zögern probieren und die tatsächlich wohlschmeckend sind. Weiter geht es im eleganten Speisezimmer mit einem grandiosen 3-Gänge Menü und wieder zurück ins Kaminzimmer zu Tee, Fudges und Whisky. Wir fühlen uns wie im Film, besser geht es nicht.

Noch ein perfektes Frühstück und auf gehts es die 70 Meilen nach Edinburgh, Abgabe des Mietwagens am Flughafen und mit dem Schnellzug mitten auf die Royal Mile zum Radisson blu Hotel. Die Lage des Hotels ist perfekt und das Businesszimmer sehr geräumig mit einem riesigen Bett.

Edinburgh Castle

Der erste Weg führt uns hinauf zum Edinburgh Castle, vorbei an der St. Giles Cathedral, tollen Häusern, interessanten Geschäften und Restaurants, eine Sehenswürdigkeit reiht sich an die Nächste. Oben angekommen liegt die Burg majestätisch vor uns und der Blick über die Stadt ist beeindruckend. Zurück wählen wir den entspannten  Weg durch die Princess Street Gardens, deren Bäume und Sträucher in voller Blüte stehen. Auf der Princess Street angekommen, ist es allerdings mit der Ruhe vorbei. Eine Einkaufsstraße mit vielen Menschen und Geschäften, nach den eher einsamen Tagen in den Highlands ein kleiner Schock und wir nehmen erstmal eine Auszeit in unserem Zimmer. Leider habe ich vergessen, einen Tisch zu reservieren und unser favorisiertes Restaurant „Forage & Chatter“ ist das ganze Wochenende ausgebucht und wir ergattern noch einen Tisch im „Miles & Carter“ Steakhouse. Eine gute Wahl, die Steaks sind auf den Punkt und ganz speziell angerichtet.

Edinburgh Castle

Am nächsten Morgen laufen wir ohne feste Pläne durch die Stadt,  erkunden verschiedene Gassen, bestaunen die ursprünglichen Häuser, besuchen das Klon-Schaf „Dolly“ im Royal Museum und schlendern nochmals durch die Princess Street Gardens, wo unser Blick immer wieder auf die imposante über uns thronende Burg fällt. Wir genießen unsere letzte Teatime des Urlaubs im ehrwürdigen Scotsman Hotel, in Edinburgh ist die Vergangenheit an jeder Ecke gegenwärtig und wir sind mittendrin.

Am Abend entschließen wir uns spontan für einen weiteren Abstecher zur Burg, wo uns eine tolle Überraschung erwartet: Ein kostenloses Konzert mit zwei Kapellen in Kilts und natürlich auch mit Dudelsäcken. Was für ein Erlebnis – auf dem Burghof in der untergehenden Abendsonne. Einen besseren Abschluss dieser Reise konnte es nicht geben. Beim Rückweg zum Hotel soll der Abend und der Urlaub irgendwie nicht zu Ende gehen und so muss noch ein Whisky her. Woher? Natürlich im „Whiski“ direkt gegenüber – ein uriger Pub mit rustikalen Gerichten und Whisky :).

Schottland – der neue Geheimfavorit.  Das Wetter war auf unserer Seite und wir hatten nur einen Tag Regen, kaum zu glauben. In diesem Urlaub haben wir alles gefunden, herzliche Gastgeber, viel Entspannung und Natur, interessante Orte und Sehenswürdigkeiten, leckeres Essen und viel Whisky :).

 

 

 

 

 

 

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